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30. März 2020
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So deutsch sind die USA!

von Björn Akstinat

Die Deutschstämmigen sind die größte Bevölkerungsgruppe der Vereinigten Staaten. Im Rahmen der letzten US-Volkszählung haben rund 50 Mio. Menschen angegeben, deutsche Vorfahren zu haben – das waren 6 Mio. mehr als bei der vorherigen Erhebung. Die Zunahme ist jedoch nicht durch eine vermehrte Einwanderung zustande gekommen. Die alteingesessenen Deutschamerikaner machten ihre Kreuzchen nur geschichtsbewusster. Wie deutlich sie jetzt die Liste der bedeutendsten ethnischen Gruppen anführen, zeigt folgende Aufstellung:

1. deutschstämmige US-Amerikaner = ca. 50 Mio. Menschen
2. irischstämmige US-Amerikaner = ca. 35 Mio. Menschen
3. mexikanischstämmige US-Amerikaner = ca. 31 Mio. Menschen
4. englischstämmige US-Amerikaner = ca. 27 Mio. Menschen

Etwa 10% der Deutschstämmigen sprechen oder verstehen noch Deutsch – darunter Prominente wie Sandra Bullock, Henry Kissinger oder Leonardo DiCaprio. Für diese rund 5 Mio. Menschen werden in den USA zahlreiche deutschsprachige Medien produziert: Es existieren über 100 Zeitschriften, Zeitungen, Gemeindebriefe und Mitteilungsblätter sowie etwa 100 lokale Radiosendungen und ca. 20 lokale Fernsehprogramm-Fenster. Besonders bemerkenswert ist auch, dass in den Vereinigten Staaten die weltweit ältesten Wochenzeitungen in deutscher Sprache erscheinen – an erster Stelle die „New Yorker Staats-Zeitung“ von 1834. Sie gehörte in ihrer Anfangszeit zu den größten Zeitungen der USA. Ende der 1960er Jahre war kein geringerer als der deutsche TV-Moderator, Komiker und Journalist Herbert Feuerstein ihr Chefredakteur. Ähnlich alt wie das New Yorker Blatt ist die „Nordamerikanische Wochenpost“ von 1854 aus Michigan. Vor nicht ganz so langer Zeit entstanden „The Saxon News – Volksblatt“ von der Allianz der Siebenbürger Sachsen aus Cleveland und die Wochenzeitung „Eintracht“ aus dem Großraum Chicago. Sie wurden 1902 bzw. 1922 aus der Taufe gehoben. Die traditionsreiche „Eintracht“ konnte aufgrund ihrer Bedeutung zahlreiche Interviews mit herausragenden Persönlichkeiten wie Konrad Adenauer, Raketenpionier Wernher von Braun, Fußball-Bundestrainer Sepp Herberger und vier US-Präsidenten führen. 2018 fusionierte sie mit der „New Yorker Staats-Zeitung“. Echte Jünglinge in der Zeitungslandschaft sind die erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gegründeten Wochenblätter „Amerika-Woche“ von der Ostküste und „Neue Presse“ aus Kalifornien. Die „Amerika-Woche“ gilt als eine der größten Publikationen – besonders seitdem sie Ende der 1990er Jahre mit der „Freien Zeitung“ (von 1858) und dem „Washington Journal“ (von 1859) verschmolzen wurde. Unter den vielen Zeitschriften sind „Heimat abroad“ für Firmenentsandte und junge deutsche Einwanderer (gegr. 2019), die bunte Frauenzeitschrift „Das Fenster“ aus Georgia (gegr. 1904) sowie das auflagenstarke Tourismusmagazin „Florida Sun“ (gegr. 1999) sehr erwähnenswert. Gerade diese modern gestalteten und geführten Publikationen machen deutlich, wie vital und zukunftsträchtig der deutschsprachige Medienmarkt in den USA sein kann.

Quelle: Nachrichtenagentur der IMH (Nachdruck kostenpflichtig)